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Kompressionstherapie

Das Wort „Kompression“ kommt aus dem Lateinischen comprimere und heisst wörtlich übersetzt zusammendrücken. Die Kompressionstherapie wird in der Medizin angewendet für die Behandlung von Venenerkrankungen, von Lymphödemen und Lipödemen. Die Wirkungsweise basiert auf dem Anlegen eines definierten Druckes von außen auf die erkrankten Extremitäten (Gliedmaßen) in Form eines Kompressionsstrumpfes oder eines Kompressionsverbandes. Bei Venenerkrankungen wird durch den Druck die verlangsamte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes reguliert, beim Lymphödem und Lipödem wird die Ansammlung von Gewebsflüssigkeit verhindert, die bei Erkrankungen der Lymphgefäße zu Ödemen führen. Bei der Venenerkrankung stellt der Kompressionsstrumpf die Basistherapie dar. Bei der Therapie des Lymph- und Lipödem ist die Versorgung mit Kompressionsstrümpfen der wichtigste Bestandteil nach der Entstauungsphase der KPE. Durch das regelmäßige Tragen der Kompression soll der Umfang des entstauten Beines gehalten werden. Kompressionstrümpfe gibt es in den Kompressionsklassen 1-4, die Kompressionsklassen geben den Andruck des Strumpfes in Ruhe (Ruhedruck) auf die umschlossene Extremität an.

Der medizinische Kompressionsstrumpf hat im Gegensatz zum Stützstrumpf einen medizinischen Druckverlauf, das heisst er ist im Fesselbereich am Stärksten und nimmt in Richtung Oberschenkel kontinuierlich ab. Kompressionsstrümpfe sind mit dünnen transparenten bis hin zu dicken, stabilen Textilfasern zu erhalten. Je dicker der Strumpf ist, umso stärker ist der Druck des Strumpfes auf die Extremität in Bewegung. (Arbeitsdruck) Die dünnen Strümpfe sind rundgestrickt und ohne Naht, sie werden bei Venenerkrankungen eingesetzt. Die dicken, stabilen Kompressionsstrümpfe sind flachgestrickt mit Naht und werden in der Ödembehandlung eingesetzt. Sie bilden durch ihren starken Druck eine stabile Wand und verhindern, dass sich im Gewebe Wasser ansammelt. Während die rundgestrickten Strümpfe sowohl als Serienstrümpfe als auch als Maßanfertigung zu erhalten sind, müssen die flachgestrickten Strümpfe immer maßgefertigt werden. Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe müssen von der Krankenversicherung auch vorab genehmigt werden.

Was bewirkt Kompressionstherapie?

Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie ist die Basistherapie bei der Behandlung venöser Erkrankungen. Sie beeinflusst vor allem die Strömungsfaktoren. Durch sie werden venös bedingte Beschwerden und Komplikationen vermieden.

Die Kompressionstherapie bewirkt:

  • die Beseitigung der venösen Stauung durch eine Beschleunigung des venösen Rückstroms
  • die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit gestörter Venenklappen durch Verengung des Venenvolumens auf Grund des von außen ausgeübten Drucks
  • die Entstauung des umliegenden Gewebes und Abtransport der angesammelten Stoffwechselschlacken und der Gewebeflüssigkeit

Die Kompressionstherapie beugt zudem

  • einer erneuten Ödembildung vor
  • der Thrombosebildung und einer daraus resultierenden Lungenembolie vor, da ein Thrombus durch den Kompressionsdruck nicht fortgeschwemmt werden und sich sogar rückbilden bzw. auflösen kann

Kompressionsstrümpfe bei Lymph-und Lipödemen

Der lymphologische Kompressionsverband schränkt den Patient durch seine Vielschichtigkeit sowohl in der Kleidung als auch in der Beweglichkeit ein. Das erschwerte Laufen, sowie das Verbot mit dem lymphologischen Kompressionsverband Auto zu fahren macht ihn untauglich für das tägliche Leben.

Patienten mit Lymphödemen müssen lebenslang medizinische Kompressionsstrümpfe tragen

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe wurden als Kompromiss zum lymphologischen Kompressionsverband entwickelt und werden in der Lymphologie sowie im Verbrennungsbereich eingesetzt. Die ebenfalls auf dem Markt bekannten, dünnen, rundgestrickten Strümpfe haben ihren Einsatz nur bei Venenerkrankungen. Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe entsprechen in ihrer Elastizität den Kurzzugbinden des Kompressionsverbandes, deshalb sind sie aus festem, dickem Textilmaterial und besitzen auf Grund ihrer Herstelltechnik eine Naht. Sie werden immer maßgefertigt, da Lymphödeme immer an unterschiedlichen Stellen lokalisiert sind. Eine Abgabe von dünnen, rungestrickten Serien-Konfektionsstrümpfen ist für den Therapieerfolg falsch. Medizinische Kompressionsstrümpfe werden in 4 sog. Kompressionsklassen (CCL) hergstellt, die sich durch die Stärke des Andrucks in Ruhe (Ruhedruck) auf die umschlossene Extremität unterscheiden. Wie beim lymphologischen Kompressionsverband ist der Ausgangswert, z. B. am Bein an der Fessel, 100% und verringert sich entsprechend der Kompressionsklasse kontinuierlich in Richtung Oberschenkel. Lymphologische, flachgestrickte Kompressionsstrümpfe mit der richtigen Kompressionsklasse und Diagnose müssen vom Arzt verordnet werden, die Beratung und das Anmessen erfolgt durch Sanitätshäuser. Speziell ausgebildete, geprüfte, lymphologische Fachkräfte nehmen an definierten Punkten unter Zug Maß und leiten für den Patient die Fertigung einer individuell das Krankheitsbild und die Comorbidität berücksichtigende Kompressionsbestrumpfung ein.

Das Maßnehmen erfolgt an der entstauten Extremität, deshalb ist eine Kommunikation mit dem Lymphtherapeuten und dem Arzt notwendig. Die Kompressionsstrümpfe werden bei der Anprobe im Sanitätshaus auf den passgenauen Sitz überprüft. Das Fachpersonal unterweist den Patienten in der Anziehtechnik, über die Waschanleitung und der Hautpflege. Bevor ein lymphologischer Kompressionsstrumpf abgegeben werden kann, müssen alle Schritte vom Sanitätshaus ausführlich dokumentiert und ein Kostenvoranschlag bei der Krankenkasse eingereicht werden. Wie beim Kompresssionsverband, kann ein schlecht sitzender oder falscher Kompressionsstrumpf das Lymphödem verschlechtern. Deshalb müssen die Fachkräfte im Sanitätshaus ebenfalls lymphologisches Fachwissen und sehr viel Erfahrung in der lymphologischen Kompressionsbestrumpfung haben.

Cornelia Wilhelm - Coframed Medizinalbedarfs GmbH

Cornelia Wilhelm (Geschäftsführerin),
Spezialistin für lymphologische und phlebologische Kompressionsstrümpfe, Master of Health Business Administration (MHBA), Biologie / Chemie LAG univers, Fachverkäuferin Sanitätsfachhandel

Komplexe physikalische Enstauung des Lymphödems

Der bislang wirkungsvollste, klassische Therapieansatz bei Lymphödemen ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE). Sie besteht in ihren Basismaßnahmen aus der manuellen Lymhdrainage, der Kompressionsbandagierung und der Kompressionsbestrumpfung sowie aus der entstauenden Bewegungstherapie und der Hautpflege. Zusätzlich zur Basistherapie sind eine Ernährungsberatung und psychologische Hilfen zur Erhöhung der Eigenmotivation nötig. Nur die Anwendungen aller Einzelkomponenten der Basistherapie führen bei der Lymphödemtherapie zum Erfolg. Die komplexe physikalische Entstauungstherapie unterscheidet zwei Phasen.

Phase 1: Entstauungs- oder Endödimatisierungsphase

In Phase 1 wird das Ödem, je nach Schweregrad, drei bis sechs Wochen täglich stationär in einer Fachklinik behandelt. Auf dem Tagesplan stehen manuelle Lymphdrainagen (MLD) mit anschließender Kompressionsbandagierung. Der lymphologische Kompressionsverband bleibt bis zur nächsten Behandlung an der Extremität, d. h. bei der Bewegungstherapie und auch nachts werden die Kompresssionsverbände nicht abgenommen. Individuell wird für den Patient ein Bewegungsprogramm entwickelt, das auf sein Krankheitsbild ausgerichtet ist. Weiterhin erhält er Unterricht über die Selbstbehandlung mit manueller Lymphdrainage, Hautpflege und Selbstbandagierung. Ein Therapie-Ödemtagebuch dokumentiert den Verlauf der Therapie. Eine Woche vor Abschluss der Therapie wird ein Kompressionsstrumpf angemessen. Wenn die Passform durch den Arzt bestätigt wurde, kann der Patient in die zweite Phase der KPE entlassen werden. Die Phase 1 kann bei guter Organsitaion auch ambulant durchgeführt werden.

Phase 2: Konservierungs und Optimierungsphase

Im Gegensatz zu Phase 1 dauert die Phase 2 lebenslang, da es sich beim Lymphödem um eine chronische Erkrankung handelt. Entsprechend der Reödimatisierungstendenz wird ein Behandlungsintervall für die manuellen Lymphdrainagen festgelegt. Mit Reödimatisierungstendenz ist die Zeit gemeint bis sich das Ödem trotz Selbstbehandlung wieder bildet und therapeutische Hilfe benötigt. Alle Komponenten der Phase 1 werden ambulant in der Phase 2 durchgeführt. Damit die Maßnahmen mit dem persönlichen Tagesablauf harmonieren, sind einige Anpasssungen in Phase 2 vorzunehmen. In der Phase 2 ist es in der Regel nötig 14 tägig oder 1 bis 2 mal wöchentlich zur Lymphdrainage zu gehen. In schweren Fällen kann die Frequenz auf drei bis vier mal pro Woche erhöht werden. Nach der MLD erfolgt das Anlegen des Kompressionsverbandes, den der Patient bis zum Abend trägt. In der Zeit zwischen den Lymphdrainagen wird die Kompressionsbestrumpfung getragen. Bewegung wie Gymnastik, Wandern, Walken in Kompression unterstützen die Therapie optimal. Ambulant hat der Patient sich bei Bedarf (Verschlechterung) selbst zu bandagieren, er achtet auf die Hautpflege und auf ausreichend Bewegung. Sollte sich das Ödem wieder massiv verschlechtern, muss eventuell die erste Phase wiederholt werden.

Dieser Text folgt in Kürze!

Venenerkrankungen

Die Kompressionstherapie ist die Basistherapie bei der Behandlung venöser Erkrankungen. Sie beeinflusst vor allem die Strömungsfaktoren des Blutes. Kompression bewirkt die Beseitigung von venösen Stauungen, da durch den Druck des Kompressionstrumpfes eine Beschleunigung des venösen, sauerstoffarmen Blutrückstroms erfolgt. Erfolgt dies nicht, wird das umliegende Gewebe nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt und die Gefahr ein offenes Bein oder einer Thrombose zu bekommen ist groß. Durch schlecht schließende Venenklappen wird sauerstoffarmes Blut nicht korrekt abtransportiert, es sackt wieder zurück nach unten. Ebenfalls durch den Kompressionsdruck von außen wird die Funktionsfähigkeit gestörter Venenklappen wiederhergestellt.

Bei einer Thrombose bildet sich in einem gesunden oder vorgeschädigten Blutgefäß ein Blutgerinnsel (Thrombus) und verengt oder verstopft das Gefäß. Solche Blutgerinnsel können entstehen, wenn „verbrauchtes", sauerstoffarmes Blut nicht mehr ausreichend in Richtung Herz strömt. Die Wirkungsweise eines Kompressionsstrumpfes kann bildlich so erklärt werden, dass durch den Druck des Strumpfes von außen in Verbindung mit dem „Muskeldruck“ von innen eine Verengung des Venenvolumens erfolgt. Der Durchmesser der Venen wird geringer, nicht richtig schließende Venenklappen rücken wieder enger zusammen. Dadurch fliesst das Blut wieder schneller, sauerstoffarmes Blut, angesammelte Stoffwechselschlacken und Gewebeflüssigkeit werden abtransportiert und das umliegende Gewebe kann wieder korrekt mit Sauerstoff versorgt werden.

Vom Rezept zum Strumpf

Dem Fachhändler über die Schulter geschaut

Wie geht es eigentlich im Sanitätshaus mit Ihrer ärztlichen Verordnung für flachgestrickte Kompressionsstrümpfe weiter? Sie haben eine Neuverordnung erhalten oder ein Folgerezept für eine flachgestrickte Kompressionsversorgung und wir gehen davon aus, dass die Verordnung korrekt Ihren Bedürfnissen entsprechend ausgestellt ist.

Wie geht es dann weiter?

Der normale Weg ist, dass das Sanitätshaus einen Kostenvoranschlag für die Krankenkasse erstellt, da flachgestrickte Kompressionsstrümpfe zumeist vorab von der Krankenversicherung genehmigt werden müssen. Das wiederum bedeutet, dass Sie oder Ihr Therapeut sobald ein Rezept vorliegt, Kontakt mit dem Sanitätshaus aufnehmen sollte, um die weiteren Schritte zu besprechen.

Die Krankenkasse genehmigt den Kostenvoranschlag, die Anmessung erfolgt durch eine Fachkraft des Sanitätshauses, die Maße zur Fertigung werden an den Hersteller weitergegeben, der Hersteller fertigt die Kompressionsversorgung. Nach Wareneingang im Sanitätshaus erfolgt die Anprobe und Abholung durch Sie. Das klingt doch alles ganz einfach und schnell.

Aber der Teufel liegt im Detail.

Im Sanitätshaus Ihrer Wahl wird ein Fachberater oder eine Fachberaterin für Ihre „Strümpfe“ Maß nehmen. Flachgestrickte Kompressionsversorgungen sind in der Regel nach Maß gefertigt, da jedes Ödem unterschiedlich lokalisiert ist und die anatomischen Verhältnisse der „Lymphextremitäten“ schwierig sind. Kompressionsstrümpfe sollen einen definierten Druck auf das Gewebe ausüben um erneutes bzw. weiteres Ansammeln von Lymphflüssigkeit im Gewebe zu verhindern. Lymphologische Fachberater/innen im Sanitätshaus sind für die Erkrankungen des Lymphgefäßsystems und das Anmessen speziell geschult. Sie müssen ihr Wissen durch die Bundesfachschule für Orthopädietechnik überprüfen und regelmäßig auffrischen lassen.

Das richtige herstellerbezogene Anmessen und die korrekte Bestellung durch geschultes Fachpersonal ist Voraussetzung für eine gut passende Kompressionsversorgung. Langjährige Erfahrungen in der Versorgung von Lymphödempatienten tragen natürlich wesentlich dazu bei. Um die Kompressionsversorgung exakt auf Ihre Erkrankung ausrichten zu können, sind ein ausführliches Beratungsgespräch, genaue Materialkenntnis sowie das Wissen der Fertigungseigenheiten aller Hersteller nötig. Denn die Kompressionsversorgung, die vielleicht Ihrer/em Bekannten hilft, muss für Sie nicht unbedingt geeignet sein.

Jedes Ödem ist anders ausgeprägt. Und so bedarf es viel Einfühlungsvermögen, um die richtigen Strümpfe auszuwählen. Die Versorgung muss passen, denn das tägliche Tragen der flachgestrickten Kompressionsware ist nicht immer leicht und darf für Sie nicht zur Qual werden! Das Maßnehmen sollte im möglichst entstauten Zustand erfolgen. Der Lymphtherapeut kennt den Entstauungsgrad durch seine intensive Behandlung sehr genau, und gibt, nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, grünes Licht für die Anmessung. Im optimalen Fall sollte dann die Kompressionsversorgung zeitnah angefertigt werden. Warum dies nicht der Normalfall ist, liegt an den vielen Schritten, die bis zur Bestellung notwendig sind.

Kennen Sie das Genehmigungsverfahren?

Einige Krankenkassen möchten bereits für das Genehmigungsverfahren Ihre Hautmaße vorgelegt bekommen. Sie müssten deshalb schon bei Abgabe des Rezeptes vermessen werden und wiederholt nach der Entstauungssphase für die konkrete Bestellung. Auch der Lymphtherapeut, der die manuelle Lymphdrainage durchführt, muss zu Beginn und während des Therapieverlaufes die Hautmaße exakt dokumentieren. Die Umfangsmaße, die der Lymphtherapeut am Patienten nimmt, werden zumeist in Abständen von 10 cm sehr genau gemessen. Die Maße, die vom Sanitätshaus genommen werden, entsprechen den Strickvorgaben der Hersteller und werden „unter Zug“ und in größeren Abständen ermittelt. Für das Genehmigungsverfahren benötigt das Sanitätshaus bestimmte Formulare. Das Wichtigste davon ist die ärztliche Verordnung. Hier muss darauf geachtet werden, dass jeder Sonderzusatz, wie beispielsweise y-Einkehren, Funktionszonen oder Haftbandstopper auf der Verordnung aufgeführt sind. Nur explizit auf dem Rezept aufgeführte Sonderzusätze haben die Chance genehmigt zu werden. Fehlen die Zusätze, die bei Ihrer Versorgung notwendig sind, muss das Rezept erneut zum Arzt gegeben werden und er muss entscheiden, ob die Zusätze zu ergänzen sind. Das Hin und Her kostet Zeit und das Genehmigungsverfahren zieht sich hin. Ob die Sonderzusätze von den Kostenträgern genehmigt werden, ist auch dann nicht gesichert. Weiter werden für die Genehmigung der Einkaufsnachweis bzw. das Angebot des Strumpfherstellers gefordert und die bereits erwähnten Hautmaße.

Zusätzlich muss ein sogenannter Entstaungsplan, der im Wesentlichen die Aufzeichnungen über die Regelmäßigkeit der Lymphdrainagen enthält, beigefügt sein. Schließlich muss der komplette Kostenvoranschlag des Sanitätshauses erstellt und mitgeschickt werden. Das Sanitätshaus bzw. die beratende Fachkraft wird eine Zustandserhebung Ihrer lymphologischen Krankengeschichte dokumentieren, das heißt, Fragen über weitere Erkrankungen an Sie stellen, die Lage des Ödems kennzeichnen und vieles mehr. Auf Verlangen der Krankenkassen muss diese Zustandserhebung vorgelegt werden. Eine Fotodokumentation, der Sie zustimmen müssen, und ein Anprobeprotokoll sind weitere Pflichtdokumentationen. Jede Krankenkasse hat andere, eigene Vorgaben für die Erstellung eines Kostenvoranschlages und für die geforderte Dokumentation. Die Sanitätshäuser benötigen deshalb für die Kommunikation mit den Kostenträgern sehr leistungsfähige EDV-Programme. Ist der komplette Kostenvoranschlag versandt worden, wird auf die Kostenzusage gewartet. Denn erst nach Erhalt der Genehmigung, darf das Sanitätshaus die Kompressionsversorgung beim Hersteller in Auftrag geben. In der Regel erhalten Sie ein bis zwei Tage früher die Kostenzusage als das Sanitätshaus. Der Fertigung der Kompressionsversorgung steht nun nichts mehr im Wege.

Fehler können passieren!

Die Anfertigung einer flachgestrickten Versorgung ist sehr zeit- und kostenintensiv und birgt verschiedene Fehlerquellen. Das Stricken der Flachstrickware erfolgt auf extrem teuren Hightech-Maschinen und erfordert neben dem eigentlichen Strickvorgang viel Handarbeit bis zur Fertigstellung. Das erklärt den hohen Preis flachgestrickter Kompressionsware und die Tatsache, dass Flachstrickware nicht mal schnell über Nacht gefertigt werden kann. So können beim Hersteller Fehler beim Erfassen der Maße (Zahlendreher) für das Computerprogramm entstehen. Unterschiede in der Fadenvorspannung der Strickmaschine oder minimale Unterschiede in der Garnqualität können die Ursache für Passformprobleme sein. Flachstrickware muss in Handarbeit zusammengenäht und versäubert werden.

Wenn man bedenkt, dass die Fingernähte eines flachgestrickten Handschuhs oder einer Zehenkappe jeweils einzeln von einer Näherin geschlossen werden müssen, kann hier schon einmal die Ursache für eine Laufmasche liegen. Der Wunsch nach modischen Farben hat die Hersteller gezwungen, diese auch im Flachstrickbereich anzubieten. Das Färben ist sehr schwierig und muss vom Hersteller aufwändig geprüft werden, da die Farbstoffe Längenveränderungen oder Qualitätsveränderungen hervorrufen können. Nach dem Färben werden die Kompressionsstrümpfe gewaschen, getrocknet und gebügelt und zum Versand vorbereitet. Und das alles kann eben nicht innerhalb 24 Stunden erfolgen.

Der Strumpf kommt im Sanitätshaus an und dann?

Im Sanitätshaus wird nach Erhalt der Lieferung der so genannte Wareneingang getätigt. Das bedeutet die Ware wird der Patientenakte zugeordnet, auf Richtigkeit überprüft und im EDV-System dokumentiert (Längen, Ausführung, Farbe). Die Kompressionsversorgung wird nun zur Abholung bereitgelegt, ein Termin zur Anprobe mit Ihnen vereinbart. Für das Sanitätshaus ist die Anprobe ein wichtiger Teil im Versorgungsablauf. Es wird geprüft, ob die Versorgung gut passt, ob die Längen stimmen und ob die Versorgung zu weit oder zu eng ist. Das Schwierigste bei der Flachstrickversorgung ist die Beurteilung der Passform.

Es ist wichtig, dass geschultes Fachpersonal die Versorgung mit Ihnen anprobiert, da so Passformfehler erkannt werden können. Eine Faltenbildung in der Kniekehle kann nämlich mehrere Ursachen haben. Entweder die Beinlänge ist zu kurz, der Strumpf rutscht ab und sammelt sich in der Kniekehle. Oder der Strumpf ist zu lang, das überschüssige Material bleibt in der Kniekehle liegen.

Die Kontrolle der Passform

Im optimalen Fall ist nun die passende Versorgung beim Patienten angekommen; was aber, wenn sie nicht passt? Der erste Schritt wäre Kontakt mit dem/der Fachberater/ in im Sanitätshaus aufzunehmen. Die verständliche Enttäuschung beim Arzt oder der Krankenkasse zu äußern hilft nicht weiter und kostet letztendlich Zeit. Jeder Mitarbeiter im Sanitätshaus, der gewissenhaft versorgt, wird mit Ihnen eine Lösung finden, egal wo der Fehler gelegen hat. Leidgeprüfte Lymphpatienten können Fehlern häufig nicht objektiv entgegentreten. Anders als bei maßgeschneiderter Kleidung, die mindestens zwei Anproben erfordert, soll die hautenge Kompressionsversorgung immer auf Anhieb passen.

Wenn dies in Einzelfällen nicht gelingt, führt nur ein Zusammenarbeiten von Patient und Sanitätshaus zu einer schnellen Nachbesserung. Schuldzuweisungen sind wenig förderlich. Darüber nachzudenken ist, ob bei geringen Passformproblemen (1-2 cm Bereiche oder falsch bestellte Farbe) auf einer kompletten Änderung der Versorgung bestanden werden muss. Im Zeichen der Nachhaltigkeit könnte darauf verzichten werden. Denn bei flachgestrickter Kompressionsware gibt es kaum Änderungsmöglichkeiten. In den meisten Fällen ist eine komplette Neuanfertigung mit entsprechendem Aufwand und Umweltbelastung notwendig.

Zusammenfassung

Vom Erhalt der ärztlichen Verordnung bis hin zur Abgabe der Kompressionsversorgung sind viele, zum Teil zeitaufwändige, Schritte notwendig. Bei konstruktiver Zusammenarbeit aller Beteiligten kann eine individuell gefertigte Versorgung zeitnah zur Verordnung fertig sein. Und wenn alles passt, freuen sich die Sanitätshäuser über eine positive Rückmeldung.

Cornelia Wilhelm, MHBA,
Geschäftsführerin und Inhaberin des Sanitätshauses Coframed GmbH,
Versorgung von Lymphpatienten seit 1999

Venenerkrankungen – Symptome

Venen sind die Blutgefäße des Körpers, die das sauerstoffarme Blut zum Herzen führen. Venenerkrankungen entstehen, wenn diese Gefäße nicht mehr einwandfrei funktionieren.

Venenerkrankungen sind z. B:

  • Besenreiser,
  • schwere Beine,
  • Krampfadern,
  • Venenentzündungen,
  • tiefe Bein-und Beckenvenenthrombosen,
  • offene Beine

Das können Sie bei Venenerkrankungen tun

  • Körperliche Bewegung-Sport:
  • häufiges Hochlagern der Beine und kalte Wassergüsse, Schwimmen
  • Ausdauersportarten wie Walking, Nordic Walking, Laufen, Radfahren
  • Venengymnastik: Anspannung der Oberschenkel- und Wadenmuskeln
  • tragen von rundgestrickten Kompressionsstrümpfen
  • gesund ernähren

Das können Sie bei Venenerkrankungen tun

  • Körperliche Bewegung-Sport:
  • Maße der Beine nehmen
  • mit Ihnen zusammen den Kompressionsstrumpf auswählen
  • das Anziehen des Strumpfes zeigen und üben
  • die Pflegeanleitung für Strümpfe erklären
  • Überprüfen der Strümpfe bei Passungenauigkeiten
  1. Drehen des Strumpfes auf links, über die Fußspitze ziehen, Strumpf über Fuß ziehen

  2. Strumpf über Fußspitze ziehen

  3. Über die Ferse ziehen

  4. Strumpf über Fuß ziehen

  5. Etappenweise nach oben ziehen

  6. Etappenweise hochziehen

  7. Fertig!

  8. Tipp: ggf. Falten verstreichen

  9. Tipp: Fehler beim Anziehen! Strumpf ist zu weit hochgezogen, Gesäßmuskel drückt Haftrand nach unten